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Burg Berge

Vom Grafensitz blieb nur eine Mauer

Von Stefanie Jooß, 06.10.08, 16:56h

Nur wenige Relikte sind von der Burg Berge in Altenberg geblieben, dem einstigen Stammsitz der Grafenfamilie, die dem Bergischen ihren Namen gab. Ein Archäologe informiert über das Bodendenkmal.

Altenberg Burg Berge
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Von der Burg Berge blieb nur ein Hügel. BILD: RALF KRIEGER
Altenberg Burg Berge
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Von der Burg Berge blieb nur ein Hügel. BILD: RALF KRIEGER
Burg Berge Steinmauer
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Ein kleiner Teil einer Steinmauer ist erhalten geblieben. BILD: RALF KRIEGER
Manfred Link
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Manfred Link ist Bodendenkmalpfleger. BILD: ROLAND U. NEUMANN
Burg Berge Steinmauer
Manfred Link
Odenthal - Luftschlösser zu bauen, versteht Manfred Link perfekt. Im konkreten Fall handelt es sich eher um eine Luftburg auf einem Hügel mitten im Wald bei Altenberg. „Der Ursprung des Bergischen Landes“ liege dort, sagt der 72-Jährige und deutet auf die Anhöhe. Zu sehen ist: nichts. Doch je mehr Link erzählt, desto deutlicher kann sich der Betrachter vorstellen, was einmal war - oder besser: gewesen sein könnte.

Denn auf besagtem Hügel bei Altenberg baute um das Jahr 1060 ein Herrscher seine Burg. Nach dem Standort der Anlage auf dem Berg benannte er sein Geschlecht: „de Monte“. Dass auch die Bezeichnung Bergisches Land von den Herren „von Berg“ stammt und nicht von der hügeligen Landschaft, ist weithin bekannt. „Bis heute rätseln Wissenschaftler und Laienforscher jedoch, woher die Berger kamen und wie sie es schafften, zu einer mächtigen und einflussreichen Grafen- und Herzogen-Dynastie zu werden“, sagt Link.

Vom einstigen Reichtum der Berger ist heute nichts mehr zu sehen. Besucher des früheren Grafensitzes seien oft enttäuscht, wenn sie auf dem Burggelände angekommen sind, so der 72-Jährige. Denn außer einem kleinen Mauerstück kann der Laie von der Burg nicht viel sehen. Der Herrschersitz ist heute ein so genanntes Bodendenkmal. Das heißt: Die Spuren des Adelsgeschlechtes liegen in der Erde vergraben.

Manfred Link kann die Mauern der Burg binnen weniger Minuten wieder errichten - zumindest in der Fantasie der Betrachter. Der Odenthaler arbeitet seit 15 Jahren ehrenamtlich bei der Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland. Link, der auch den Verein „Landschaft und Geschichte“ mitbegründet hat, hat sich mit der Geschichte der Burg ausgiebig beschäftigt. Bei Führungen und Wanderungen lässt er sie auch für Laien wieder lebendig werden.

Ein Jahrtausend alt

Archäologen der Universität Köln legten die einstige Burg 1981 frei. Fast alles, was heute über den Grafensitz bekannt ist, geht aus den Ergebnissen dieser Ausgrabungen hervor. „Auf dem markanten Hügel“, erklärt Manfred Link, „stand einst ein Teil der Burganlage.“ Die Erhöhung wurde vor rund 1.000 Jahren von Menschenhand geschaffen. Auf dem mächtigen Sockel, so vermuten die Archäologen, könnte der Hauptbau der Anlage gestanden haben, in dem der Burgherr wohnte. Denn dort, wo der Hügel steil zur Dhünn abfällt, hätten die Archäologen „Tonnen von Abfällen“ gefunden, erklärt Link. Die Essensreste, vor allem Tierknochen, deuten darauf hin, dass sich darüber eine Küche befunden hat. Auch einige wertvolle Gegenstände fanden die Archäologen: einen Spielwürfel aus Knochen, eine nach 1039 geprägte Silbermünze, den Teil eines Gewandverschlusses und den vergoldeten Anhänger eines Pferdegeschirrs.

Andererseits könnten auf dem aufgeschütteten Hügel auch die Verteidiger der Burg gelebt haben. Denn es hätte wenig Sinn gemacht, den Wohnbau der Herrscher auf der am stärksten gefährdeten Seite zum Bülsberg hin einzurichten. Darauf weist der Burgenforscher Reinhold Stirnberg im Buch „Auf Spurensuche in Altenberg“ des Vereins „Landschaft und Geschichte“ hin. Stirnberg hat auch versucht, die Burg Berge so zu zeichnen, wie sie tatsächlich ausgesehen haben könnte. Die Grafen haben Stirnberg zufolge in einem westlich gelegenen Gebäude gelebt. Es lag ebenfalls höher als der Burghof, auf einem herausgearbeiteten Felsabsatz. Hier fanden die Archäologen noch mehr Küchenabfälle als in der Nähe des künstlich aufgeschütteten Sockels.

Die Grafen wohnten nicht lange in der Burg. 1133 schenkten sie die Befestigungsanlage dem Zisterzienser-Orden. Die Mönche wollten hier ursprünglich ihr Kloster errichten. Doch sie entschieden nach wenigen Jahren, ins Tal zu ziehen. Vielleicht war ihnen das Burggelände zu klein für ihre Pläne, eine Abtei mit Kirche zu errichten. Vielleicht war den Mönchen der erhöhte Burgsitz dem Himmel zu nah für ihre Maßgabe der Bescheidenheit und Demut. Fest steht: „Die Zisterzienser haben alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war“, sagt Link.

Bedrohung durch Besucher

Nur der winzige Rest der Steinmauer ist von der Burg bis heute sichtbar übrig geblieben. Auch er wird nach und nach zerstört. Besucher werfen die locker sitzenden Steine in die Dhünn, erklärt Link, während er einige der losen Brocken wieder aneinander setzt. Dabei entdeckt er einen Schatz, allerdings keinen der alten Grafen, sondern einen ganz modernen: „Ein neues Unding“ kommentiert er den Fund einer Plastikdose. Der Grafenhügel ist ein beliebtes Versteck für Anhänger des Geocaching, der Schatzsuche per GPS. Als Bodendenkmalpfleger steckt Link in einem Dilemma. Einerseits will er die verborgenen Schätze bekannt machen: „Unsere Region hat eine große Anzahl bekannter Bodendenkmäler“, erklärt er. Andererseits hat er Verständnis für Fachleute, die fordern, die Geschichtszeugen in der Erde zu lassen oder sie, einmal ausgegraben, wieder zuzuschütten. Denn die Denkmäler für die Nachwelt zu erhalten, ist Aufgabe der Bodendenkmalpflege und der Kommunen. Doch diese seien dem weder finanziell noch personell gewachsen. Darunter hätten die Bodendenkmäler zu leiden. Auch deshalb setzt sich Manfred Link ehrenamtlich für sie ein - und baut schon einmal Luftschlösser, um auch andere Menschen für die verborgenen Zeitzeugen zu begeistern.



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