Von Stephanie Peine, 09.09.08, 16:38h, aktualisiert 23.09.08, 16:15h
Angesichts dieser Zerstörung und der kläglichen Überbleibsel braucht es schon viel Fantasie, um sich vorzustellen, welch Lärm und Betriebsamkeit hier einst herrschten. Um die Geschichte des Bökershammers wachzuhalten und ein anschauliches Bild der historischen Anlage und der frühen Eisenverarbeitung zu vermitteln, bietet der Verein Landschaft und Geschichte mehrmals im Jahr Führungen ins Eifgental an. Bereits 1621 wurde eine Familie Höller urkundlich erwähnt, die am Eifgen mit der Pulverherstellung begann. Das gefährliche Geschäft wurde später mit einer weiteren Pulvermühle an der Linnefe noch ausgebaut, die allerdings das Schicksal vieler Pulvermühlen ereilte und im Jahr 1720 in die Luft flog. Schon 1664, so Link, sei eine Konzession zur Errichtung von Hammerwerken am Eifgen erteilt worden. 1709 ging die Produktionsstätte mit einem Eisenhammer in den Besitz von Clemens Böker über. Er errichtete hier ein „stattliches Wohnhaus“ mit Garten, weiß Link, dem es gelang, längst vergessene Pläne und Zeichnungen der Anlage wieder aufzuspüren. Zwei uralte Eiben, als Naturdenkmale eingetragen und ebenfalls durch Überschwemmungen gefährdet, erinnern noch heute an den Bökerschen Hausgarten. Im 18. Jahrhundert wurde der Bökershammer, früher auch Kaltenherberger Hammer genannt, zum Stahlhammerwerk und um einen Reckhammer erweitert. Das Geschäft mit Eisen und Stahl florierte. „Um 1800 waren die Besitzer des Bökershammers die größten Steuerzahler der Gegend“, sagt Link. In das heute so abgelegene Tal wurde das Eisenerz mit Fuhrwerken aus dem Oberbergischen und dem Siegerland herangekarrt, über schlechte Straßen und schmale Hohlwege. Eisenschrott wurde aus Frankreich und Belgien über den Rhein und über die alte Handelsstraße (die heutige Bundesstraße 51) zum Hammerwerk gebracht. Die Steinkohle für die Öfen kam aus dem Märkischen, die Holzkohle direkt von den vielen Kohlemeilern in der Nähe. Im Rohstahlwerk, so Link, wurde das Eisen geschmolzen, unter dem Grobhammer vorgeformt und im Reckhammer weiterverarbeitet. „Hier wurden zum Beispiel die schweren Ankerflügel geschmiedet, die für holländische Schiffe bestimmt waren.“ Da der Eifgenbach auch in früheren Zeiten weit davon entfernt war, schiffbar zu sein, musste die tonnenschwere Fracht wieder auf Karren verladen und mühsam durch die steilen Hohlwege hinauf in Richtung Eifgenburg und Kaltenherberg transportiert werden. Spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts scheint die Stahlherstellung im Bökershammer nicht mehr profitabel gewesen zu sein. Der verkehrstechnisch ungünstige Standort und der Siegeszug der Dampfmaschine, die von der Wasserkraft als Antrieb unabhängig machte, werden dazu beigetragen haben, dass am Eifgenbach eines Tages der letzte Hammer fiel.
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